Kommunalpolitik und Auszubildende im Gespräch über Flüchtlinge

06.02.15

Podiumsdiskussion zum Thema „Flüchtlinge in Hannover“ am Diakonie-Kolleg

Am 22. Januar 2015 fand am Diakonie-Kolleg Hannover eine Podiumsdiskussion zum Thema „Flüchtlinge in Hannover – Ursachen, Unterbringung, Unterstützung“ statt. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern in der Erzieher-Ausbildung hat diese im Rahmen des Wahlpflichtfaches Politik organisiert und dazu Mitglieder des Rates der Stadt Hannover eingeladen. Anwesend waren Ewald Nagel (SPD), Renée Steinhoff (Grüne), Oliver Förste (Linke), Wilfried Engelke (FDP) und die Bürgermeisterin Regine Kramarek. Die CDU hatte abgesagt.

Zu Beginn der Veranstaltung war der Raum mit über 100 Schülerinnen und Schülern sowie einigen Lehrkräften gut gefüllt. Die Kommunalpolitiker beantworteten die Fragen zur Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen und betonten, dass grundsätzlich am Konzept der Stadt festgehalten werden soll, das auf drei Säulen beruht: kleineren Gemeinschaftsunterkünften, Wohnprojekten und privaten Wohnungen.

Aufgrund der großen Anzahl an zugewiesenen Flüchtlingen müsse momentan allerdings auf Provisorien wie das ehemalige Oststadtkrankenhaus ausgewichen werden. Dies sei aber immer noch besser, als Flüchtlinge in Zelten unterzubringen. Auch auf die besondere Situation der sudanesischen Flüchtlinge und deren Protestcamp am Weißekreuzplatz in Hannover ging die Diskussion ein. Die Wahlpflichtgruppe hatte dieses im Herbst besucht und sich bei den Flüchtlingen vor Ort selbst über deren Fluchtgründe und ihre Kritik an der Asylpolitik informiert.


Fraktionsübergreifend war man sich einig, dass die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer in Hannover vorbildlich funktioniert. Gute Arbeit leiste dabei auch der Unterstützerkreis Flüchtlings-unterkünfte, den Regine Kramarek mitgegründet hat. Als konkretes Beispiel aus der Praxis stellte Udo Hetmeier von der Kinder- und Jugendkreativschule (JUKUS) aus Laatzen ein Kunstprojekt vor, das er im letzten Jahr mit Flüchtlingskindern aus Hannover durchgeführt hat.

Im weiteren Verlauf wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet und der Fokus auf das Schicksal von Flüchtlingskindern sowie traumatisierten Flüchtlingen insgesamt gerichtet. Für diese setzt sich ein Netzwerk ein, das seit 2014 neue Räumlichkeiten in der Südstadt von Hannover nutzen kann, wie Renée Steinhoff darstellte. Im Berufsalltag von Erzieherinnen und Erziehern werden zukünftig vermehrt die Arbeit mit Flüchtlingskindern und der Kontakt zu deren Eltern eine Rolle spielen und Kompetenzen erfordern.

Nach eineinhalb Stunden reger, aber sehr sachlicher Diskussion endete die Veranstaltung unter dem großen Applaus des Publikums, nachdem zuvor von den Moderatoren noch auf die bevorstehende „Bunt-statt-Braun-Demo“ in Hannover (gegen Hagida und Rassismus) hingewiesen und zur Teilnahme aufgerufen wurde. Bis zum Schluss waren die Stuhlreihen gut gefüllt, und es war im Verlauf der Veranstaltung leiser als während so mancher Unterrichtsstunde, wie hinterher mit einem Augenzwinkern angemerkt wurde, was für das ernsthafte Interesse der Auszubildenden am Thema und am Schicksal der Flüchtlinge sprach.

Hinweis zu den Fotos:
Auf dem Podium (von links): Oliver Förste (Linke), Regine Kramarek (Bürgermeisterin), Renée Steinhoff (Grüne), Andreas Quasten (Schüler VZE 1 und Moderator), Morwenna Sögtig (Schülerin VZE 1 und Moderatorin), Ewald Nagel (SPD) und Wilfried Engelke (FDP).
Fotos: Fatma Ipeksoy (Schülerin VZE 1)