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  THEATER 2009 am DIAKONIE-KOLLEG
 
     

 

 

„Anatomie einer Bestie“

Theaterstück über das Leben des Jürgen Bartsch

Jürgen Bartsch hat vier Jungen missbraucht, ermordet und zerstückelt.
Wie kommt ein Mensch dazu, so etwas zu tun?



Jürgen Bartsch hat in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vier Jungen brutal missbraucht und ermordet. Dieser Fall ging mit Riesenschlagzeilen durch die Presse (vor allem in der BILD-„Zeitung“). Es entstand eine fast hysterische Hetze gegen den „Triebtäter“, die „Bestie“ usw., ohne dass die Frage „Warum“ auch nur einmal ernsthaft gestellt wurde. Jürgen Bartsch wurde damals bei einer repräsentativen Umfrage als zweitschlimmster Mensch aller Zeiten bezeichnet, nach dem ehemaligen Regierungschef Deutschlands, Adolf Hitler und weit vor dem ehemaligen Regierungschef der UdSSR, Josef Stalin (Platz drei).

Der Journalist Paul Moor und die Psychologin Alice Miller haben sich mit diesem Fall eingehend befasst. Paul Moor hat Feldforschung betrieben und durch Zeugenaussagen, Interviews usw. das Leben des Jürgen Bartsch rekonstruiert und die Resultate als Buch veröffentlicht („Selbstbildnis eines Kindermörders“). Das Buch ist inzwischen vergriffen. Alice Miller hat den Fall Bartsch psychologisch untersucht und analysiert („Am Anfang war Erziehung“) – ihr Urteil: Jürgen Bartsch inszeniert sich in seinen Taten als mächtiger Herrscher, der in dem hilflosen kleinen Jungen, den er vor sich hat und den er tötet, seine eigene Abhängigkeit, Unfähigkeit und Hilflosigkeit tötet. Das Motiv ist Rache, aber das Ziel der Rache ist verschoben, denn Jürgen wehrt sich nicht gegen seine Peiniger, sondern lässt seine Aggression an wehrlosen Opfern aus. Das ist ein Mechanismus, der in unserem Alltag oft zu beobachten ist, zum Glück meistens in viel kleineren Dimensionen. Die Frage, warum ein Mensch solche Taten begeht, kann nur aus dem psychischen Werdegang des Betroffenen abgeleitet werden, im Fall Jürgen Bartsch weisen die Taten auf grausame Leiden und Verletzungen hin. Wenn wir solche Taten verhindern wollen, hilft keine nachträgliche Empörung, keine Forderung nach Kastration oder Todesstrafe, sondern nur die Veränderung des menschlichen Zusammenlebens, die Veränderung ausgrenzender und unterdrückender gesellschaftlicher Normen und die Veränderung entwürdigender und verachtender Erziehungspraktiken.

Die Klasse VZ 2 B hat sich mit den angegebenen Texten und Filmen auseinandergesetzt, den Entschluss gefasst, darüber ein Theaterstück zu entwerfen und aufzuführen, dann eine Szenenfolge festgelegt, ausprobiert, verbessert usw., bis das Stück stand und seit Schuljahresbeginn daran geprobt.

 
     

 

 

MÄRZ

Theaterstück nach Heinar Kipphardts Roman: März

In dem Buch geht es darum, wie ein Mensch verrückt gemacht wird, weil er sich nicht anpassen kann. Die Hauptperson, Alexander März, sagt dazu: "Ich bin nichts wert, ich kann mich nicht anpassen." Und auf die Frage, ob er das denn wolle, antwortet er: "Wenn ich es könnte, würde ich gern wollen."
Das Buch handelt von seiner Kindheit und Jugend, seiner Einweisung in die Psychiatrie und seinem Leben dort.
Geschrieben ist es als Sammlung von Episoden, Beobachtungen, Eindrücken und Gedichten.

 

Wie das Stück zustande kam:
Die Klasse 2 A unserer Erzieher/innen-Ausbildung hat dieses Buch im Rahmen des Deutschunterrichtes "durchgenommen".
Schon relativ früh entstand die Idee, ein Theaterstück daraus zu machen.
Die Klasse hat in gemeinsamer Arbeit aus dem gesamten Buch eine möglichst repräsentative Szenenauswahl getroffen, was selbstverständlich auch Kürzungen und Verzicht auf liebgewonnene Passagen beinhaltete.
Danach waren die Auswahl zu einer Dramaturgie zusammenzusetzen, die Rollen zu verteilen und Bühnenbilder zu entwerfen.
Seit Beginn dieses Schuljahres hat die Klasse Ausdruck, Bühnenpräsenz und reibungslosen Ablauf geprobt.
Entstanden ist ein knapp 90-minütiges Theaterstück.

     
   



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